Die Wegscheider-Orgel

nach Carl August Buchholz

Disposition

Die Disposition, also die Auswahl und Zusammenstellung der Register, ist Buchholz nachempfunden und wird die Kirche klanglich füllen: 27 Register, 2 Manuale, Hauptwerk, Oberwerk als Schwellwerk und Pedal.

Hauptwerk C–g’’’
Principal 8 Fuß
Bourdon 16 Fuß
Viola da Gamba 8 Fuß
Rohrflöte 8 Fuß
Octava 4 Fuß
Spitzflöte 4 Fuß
Quinta 2 ⅔ Fuß
Super octava 2 Fuß
Cornett 3 fach / ab  g
Mixtur 4 fach
Trompete 8 Fuß

Manual Coppel und Pedal Coppel

Schwellwerk C–g’’’
Principal 8 Fuß
Salicional 8 Fuß
Gedact 8 Fuß
Piffaro 8 Fuß / ab  g
Viole d’amour 4 Fuß
Flauto traverso 4 Fuß
Nasard 2 ⅔ Fuß
Waldflöte 2 Fuß
Hautbois 8 Fuß
+ Tremulant

Pedal C–d’
Großpedal
Violone 16 Fuß
Posaune 16 Fuß

Kleinpedal
Subbaß 16 Fuß
Principal 8 Fuß
Baßflöte 8 Fuß
Octava 4 Fuß
Trompete 8 Fuß

Festschrift: Eine Orgel für Alt-Pankow

Eine Pankower Orgel schreibt Berlin-Geschichte:

Im August 2021, im «Jahr der Orgel» wurde die neue Orgel der Alten Pfarrkirche Pankow geweiht. Gebaut wurde sie von der Werkstatt Kristian Wegscheider im Stil von Carl August Buchholz. Dieser schuf bereits 1859 eine Orgel für die Pankower Kirche, welche allerdings verschollen ist.
In dieser Festschrift erzählen Autoren und Autorinnen, wie die neue Orgel ganz traditionell mit größter Handwerkskunst entstand und warum mit dem Instrument die Klänge des fast vergessenen preußischen Orgelbauers nach Berlin zurückgekehrt sind. In die Alt-Pankower Kirche an der Breiten Straße.

 

Mit dem Erwerb dieses Buches unterstützen Sie den Bau und künftigen Erhalt der Orgel in Alt-Pankow.

ISBN 9 783000 696688

Bau und Verlust der Pankower Orgel

Als Friedrich August Stüler 1859 die Pankower Dorfkirche erweiterte, wurden der Berliner Orgelbauer Carl August Buchholz und sein Sohn mit dem Orgelbau beauftragt. Schon damals war die Orgel mit 14 Registern auf 2 Manualen und Pedal für den Raum sehr klein bemessen. Sie kostete 1.500 Thaler, wahrscheinlich fehlte nach dem gewaltigen Kirchenbau das Geld. Ihre äußere Gestalt, der Prospekt, dürfte in Absprache mit Stüler erfolgt sein, das Gehäuse baute der Pankower Tischlermeister Prüfer. Wir wissen recht wenig über das Instrument, weder die Disposition noch ein Bild vom ursprünglichen Instrument sind überliefert.

So könnte die Orgel ausgesehen haben, die C.A. Buchholz im Jahr 1859 für die Kirche am Pankower Dorfanger gebaut hat.

1928 wurde die Pankower Buchholz-Orgel von der Firma Sauer gravierend umgebaut, klanglich verändert und zu einem großen Orgelwerk ausgebaut. Im 2. Weltkrieg erlitten Kirche und Orgel starke Schäden. Ihre Instandsetzung im Jahr 1950 verband man mit einer vollständigen Umdisponierung. Doch die Umbauten konnten die Orgel nicht retten, die Materialien waren verschlissen, die Pneumatik versagte, 1970 war das Instrument kaum noch spielbar. Die Spur unserer Orgel verläuft sich 1971, als ihre Reste in Privathände gingen. 1972 erwarb unsere Gemeinde eine gebrauchte Jehmlich-Orgel aus Brandenburg-Görden. Das Instrument passt weder architektonisch noch klanglich in den Kirchenraum, zudem ist es mittlerweile schadhaft und außerordentlich reparaturanfällig.

Carl August Buchholz einst berühmt, heute fast vergessen

Carl August Buchholz (1796-1884) gehörte zu den bekanntesten Orgelbauern seiner Zeit. Fast ein Jahrhundert lang, von 1788 bis 1885, wirkten drei Generationen der Familie Buchholz in Berlin. Carl August lernte das Handwerk des Orgelbauers bei seinem Vater Johann Simon Buchholz. Der Vater gilt als Vertreter der spätbarocken Orgelbaukunst, sein Sohn Carl August Buchholz vollzog den Übergang zur frühromantischen Klangwelt. Unter ihm erblühte die Firma und prägte über Jahrzehnte die Orgellandschaft. Später baute er zusammen mit seinem Sohn Carl Friedrich Buchholz, dem er 1850 die Leitung der Berliner Werkstatt übergab. 1853 ernannte ihn die Berliner Akademie der Künste zum Akademischen Künstler – eine große Würdigung.

Das Vermächtnis der Firma Buchholz: Über 140 Orgeln von höchster technischer Baukunst, klanglicher Qualität und meisterhafter Intonation. Ihre Orgeln haben einmal den Klang der evangelischen Kirchen in Berlin bestimmt. 40 Orgeln baute Buchholz in unserer Stadt, eine davon in Alt-Pankow. Keine hat überlebt.

Orgelbaumeister Kristian Wegscheider – der Experte für Buchholz-Orgeln

Mit dem Dresdner Orgelbauer Kristian Wegscheider konnte unsere Gemeinde einen ausgewiesenen Experten gewinnen. Er hat zwölf Buchholz-Orgeln im europäischen Raum untersucht und zahlreiche Buchholz-Instrumente in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern restauriert. Die wichtigsten von ihnen sind die Barther, die Osterburger und die Stralsunder Buchholz-Orgeln.
Um dem Klangbild der originalen Instrumente nahe zu kommen, reiste er mit neuen Pfeifen nach Brașov, Rumänien, wo die größte und bis heute erhaltene Buchholz-Orgel steht. Er testete und intonierte seine eigenen Pfeifen in dem historischen Instrument.

Orgelbauer
Orgelwerkstatt Wegscheider
Kristian Wegscheider
wegscheider-orgel.de

Mehr im Video-Vortrag vom 25. April 2020

Bauweise
Die Orgel wird als rein mechanisches Instrument ganz in der Bauweise von Buchholz gebaut. Maßverhältnisse und Kontruktion der Orgelpfeifen folgen den erhaltenen Originalen.

Prospekt
Das Äußere, der Prospekt, orientiert sich an vergleichbar großen Buchholz-Orgeln aus der Bauzeit. Gleichzeitig greift es Elemente des Kirchenraums auf.

Bau
2019 · Beginn des Orgelbaus in der Werkstatt Kristian Wegscheider

2020 · Ausbau der alten Orgel 2020/2021
Vorbereitende Arbeiten auf der Empore

2021 · Einbau und Einweihung der neuen Orgel zum 225. Geburtstag von C.A. Buchholz

Kosten
ca. 680.000 Euro

Orgelsachverständiger
Prof. Klaus Eichhorn