25 Jahre Alt-Pankower Gemeindehaus in der Breiten Straße
Interview von Ulrike Queißner mit Pfarrerin i. R. Ruth Misselwitz und dem ehemaligen GKR-Vorsitzenden Dr. Winfried Kleinau
Im September 2001 weihte die Alt-Pankower Gemeinde ihr neues Gemeindehaus in der Breiten Straße 38 ein. Zusammen mit der Alten Pfarrkirche bildet das Ensemble heute das Zentrum für das gesamte Gemeindeleben. Um die frühere Superintendentur zum Gemeindehaus umbauen zu können, trennte sich die Gemeinde Ende der 1990er Jahre von drei anderen Immobilien. Bei Kaffee und Keksen erinnern sich Ruth Misselwitz und Dr. Winfried Kleinau, die damals als Pfarrerin und GKR-Vorsitzender den Bau federführend gestalteten, an die große räumliche Veränderung in Alt-Pankow.
Vor dem Umbau spielte sich das Gemeindeleben außerhalb der Kirche vor allem im Gemeindehaus in der Hadlichstraße ab. Wie sah es dort und den anderen Gemeinde-Standorten aus?
Ruth Misselwitz: Im Jahr 1900 baute die Gemeinde das Gemeindehaus 500 Meter von der Kirche entfernt. In dem dreigeschossigen Backsteinhaus lebten und arbeiteten zunächst Diakonissen, die in der unteren Etage ein Kinderheim führten, daraus ging unser Gemeindekindergarten hervor. Der Gemeindesaal wurde von Kreisen genutzt, hier fanden Gottesdienste und Konzerte statt. Untergebracht waren außerdem die Christenlehre, das Gemeindebüro und sogar das Kirchliche Verwaltungsamt. In den Wohnungen lebten der Kantor und zeitweise Diakonissen, Kindergärtnerinnen, Hausmeister und Jugendwart.
Dr. Winfried Kleinau: Im Pfarrhaus in der Schulstraße 4 (gebaut 1904 für den zweiten Pfarrer in Pankow) wohnten eine Pfarrfamilie und eine zeitlang auch der Kantor. Auch hier trafen sich Gemeindekreise, Konfirmanden und der GKR. Ein Grundstück in der Grunowstraße wurde als Schulgarten genutzt. Das heutige Gemeindehaus neben der Kirche (1871 als Pfarrhaus gebaut) beherbergte die Superintendentur und war Wohnhaus des Superintendenten, zuletzt der Familie Krätschell. Für das Gemeindeleben spielte es keine Rolle.
Was geschah in der Nachwendezeit?
RM: Wie allen Gemeinden im Osten fehlte uns Geld. Die Mitgliederzahl sank und es wurden weniger Kinder geboren. Von zweieinhalb Pfarrstellen blieb nur meine übrig.
WK: Wir befanden uns in einer wirtschaftlichen Misere. Unsere Gebäude waren marode, die Kosten für den Unterhalt überstiegen unsere Möglichkeiten, Kredite wurden uns keine bewilligt. Es war bitter, aber wir mussten Immobilien veräußern. Das waren die Häuser in der Hadlich- und Schulstraße und das Schulgartengrundstück in der Grunowstraße.
Was führte zu der Entscheidung für das Pfarrhaus neben der Kirche, die alte Superintendentur?
RM: Wenn wir uns schon verkleinern mussten, wollten wir zumindest ein räumliches Zentrum. Ein Gemeindezentrum, in dem alle Gruppen von jung bis alt Platz haben sollten und das über die Gemeinde hinaus offen und einladend ist. Die alte Superintendentur mit dem großen Garten, neben der Kirche und mitten im Herzen von Pankow, erschien uns dafür als bester Standort.
Was führte zu der Entscheidung für das Pfarrhaus neben der Kirche, die alte Superintendentur?
RM: Wenn wir uns schon verkleinern mussten, wollten wir zumindest ein räumliches Zentrum. Ein Gemeindezentrum, in dem alle Gruppen von jung bis alt Platz haben sollten und das über die Gemeinde hinaus offen und einladend ist. Die alte Superintendentur mit dem großen Garten, neben der Kirche und mitten im Herzen von Pankow, erschien uns dafür als bester Standort.
Was so logisch klingt, war in der Umsetzung sicher ein mühsamer Prozess…
WK: Die Planungen zogen sich bestimmt über fünf Jahre. Gemeinsam überlegten wir, welche Bereiche uns wichtig sind. Das waren der Kindergarten, die Christenlehre, Jugend und die Altenarbeit. Und ja, wir haben in vielen GKR-Sondersitzungen heftig diskutiert. Wir richteten einen Bauausschuss ein. Über das Konsistorium gewannen wir den Architekten Heinz E. Hoffman.
RM: Ein toller Mann! Mit unseren Schwerpunkten entwickelten wir gemeinsam das Gemeindehaus. Kindergarten oben. Gemeinderäume, Büros und Küche unten. Jugend, Christenlehre und Wirtschaftsräume im Keller. So nahmen unsere Überlegungen Gestalt an. Den Kindergarten entwarfen wir gemeinsam mit Erziehern und Eltern, ebenso den schönen Spielplatz und den Garten.
WK: Der Bau dauerte zwei Jahre und kostete drei Millionen Mark. Mit den Verkäufen der drei Immobilien schrieben wir am Ende ungefähr eine schwarze Null.
Was blieb in eurer Erinnerung besonders haften?
RM: Der Kindergarten beschäftigte mich sehr. Erst bekamen wir keine Bewilligung vom Konsistorium: Wegen des Geburteneinbruchs hätte der Kindergarten keine Zukunft. Ich widersprach, dass der Kindergarten zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise, die Nazizeit und die DDR überstanden hat. Sollte ausgerechnet die Bundesrepublik sein Ende bedeuten? Die Zusage kam. Unser Gemeindehaus wurde vor 125 Jahren für die Betreuung von Kindern gebaut, diese Tradition sollten wir weiterführen.
Wie seht ihr das Haus heute, ist das Konzept von damals aufgegangen?
WK: Absolut! Es tut der Gemeinde gut, dass alle Aktivitäten gebündelt und um die Kirche herum stattfinden. Und der idyllische Garten ist eine Freude für alle.
RM: Uns war wichtig, dass das Haus über die Gemeinde hinaus zur theologischen, kulturellen und politischen Begegnung einlädt. Hier sollen sich alle Altersklassen, vom Kleinkind bis zum Senior, willkommen fühlen. Ich denke, das ist uns gelungen. Die räumliche Nähe tut Gemeinde und Kirche gut. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich von draußen die erleuchteten Fenster und das Leben dahinter sehe. Dieses Haus ist ein Segen. Möge es weiter so florieren!
