Predigt · Pfingstfest · 15. Mai 2016 · Konfirmation · Pfarrerin Ruth Misselwitz

Posted by on Mai 21, 2016 in Predigten | No Comments

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern, Großeltern und Paten,
liebe Gemeinde!


Nun ist es wieder so weit, es sitzen heute 22 Konfirmanden auf den
Stühlen hier vorne in der Kirche, um sich konfirmieren zu lassen.


Nach zwei Jahren Unterricht habt ihr nun euer Ziel erreicht.


Markus Maass und ich haben versucht, euch die Grundlagen des
christlichen Glaubens zu vermitteln
und ein Gefühl für eine christliche Gemeinschaft zu geben.


Ihr, liebe Konfirmanden, werdet am besten beurteilen können, ob und
wie uns das gelungen ist.


Vor 3 Wochen habt ihr einen Gottesdienst gestaltet unter dem Thema:
Engel.
Ein ganzes Wochenende haben wir uns damit beschäftigt
und dabei herausgearbeitet, dass Engel nicht nur himmlische
Flügelwesen sind,
sondern auch in sehr menschlicher Gestalt uns begegnen können.


Auf jeden Fall vermitteln sie uns das Gefühl, der Geborgenheit und
des Schutzes und der Verbindung zu Gott.


Ich möchte Euch an die erste Stunde erinnern, die wir voriges Jahr
zum Start unseres gemeinsamen Unterrichtes hatten.
Ihr durftet euch aus einer Schüssel mit vielen kleinen Kugeln eine
Kugel heraussuchen.


Alle Kugeln hatten die gleiche Größe und Form,
aber sehr unterschiedliche Farben.


Bei genauem Hinsehen waren auf einigen auch Erhebungen oder
kleine Einbuchtungen zu spüren.


Alle Kugeln zusammen bildeten ein buntes, aber auch sehr
harmonisches Gemisch –
einzeln betrachtet aber waren sie doch alle verschieden.


Ihr solltet euch die Kugel, die ihr ausgewählt hattet,
genau ansehen und herausfinden, warum ihr gerade diese Farbe
gewählt habt
und was sie vielleicht mit euch gemeinsam hat.


Mit Hilfe dieser Kugeln versuchte ich euch zu vermitteln,
dass ihr alle die vollkommene Form eines Kreises von Gott
geschenkt bekommen habt –
doch jede und jeder von euch ein Individuum ist
mit unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten,
aber auch mit Ecken und Kanten,


Aber so, wie ihr seid, seid ihr alle von Gott geliebte Geschöpfe,
seine Kinder, seine Erben.


In der Taufe haben wir diese Gotteskindschaft gefeiert und Gott dafür
gedankt.


Heute wollt ihr mit der Konfirmation diese Taufe bestätigen.


Seit ich als Pfarrerin in dieser Gemeinde arbeite,
feiern wir zu Pfingsten die Konfirmation –
das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes –
der Geburtstag der Kirche.


Wir hörten vorhin dazu die Geschichte aus der Bibel.

Ängstlich und erschrocken versammelten sich die Jünger und
Jüngerinnen nach dem schrecklichen Ereignis der Kreuzigung
und den wunderlichen Erscheinungen ihres Herrn danach.


Unerklärlich war für sie das alles und auf die Straße wagten sie sich
kaum.


Da öffneten sich die Fenster und der Heilige Geist erfüllte ihre
Herzen.
Sie verloren ihre Menschenangst
und Freude erfüllte sie über die Überwindung des Todes ihres Herrn.


Auf die Straße trieb es sie und sie verkündeten das Ostergeschehen
und alle verstanden sie in ihrer Muttersprache.


Zu dem jüdischen Fest Schawuot – das 50 Tage nach dem Passahfest
gefeiert wird –
waren gerade Menschen aus allen Ländern in Jerusalem versammelt
und der Heilige Geist durchbrach alle Sprachbarrieren und nationalen
Schranken.


Der Heilige Geist, wie er uns zu Pfingsten geschenkt wurde,
überwindet die Schranken von Nationen, Sprachen und Kulturen.


Er führt alle Völker zusammen und bewirkt den Schalom Gottes –
den Frieden und die Gerechtigkeit, die Gott für diese unsere Welt und
für alle Menschen gedacht hat.


Und diesen Geist Gottes haben nicht nur wir Christen für uns
gepachtet.


Dieser Geist wirkt überall da, wo sich Menschen dafür einsetzen,
dass die Würde des Menschen geachtet wird,
die Würde, die jedem Menschen, unabhängig von seiner Nation,
seiner Kultur oder seiner Religion,
von Gott gegeben wurde.


Wir erkennen diesen Geist daran, dass er Feindschaft überwindet,
Getrenntes wieder zusammenführt, die Schwachen aufrichtet und
Gerechtigkeit herstellt.


Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder – so sagt es der
Apostel Paulus –
und so wünsche ich es für Euch Konfirmanden
und für uns alle hier, die in dieser Kirche und in allen Kirchen dieser
Welt an diesem Pfingstfest heute versammelt sind.


Möge dieser Geist euch und uns alle führen und leiten hin zu einer
friedlichen und gerechten Welt – zum Schalom Gottes.
Amen