Predigt · Ostern · 31. März 2013 · Pfarrerin Ruth Misselwitz

Posted by on Apr 3, 2013 in Predigten | No Comments

Johannes 20, 11 – 18

Liebe Schwestern und Brüder, wieder ist es Ostern geworden –
Gott sei Dank


Und trotz des derzeitigen hartnäckigen Aufbegehrens des Winters,
der noch mal mit letzter Kraft gegen sein Abtreten sich wehrt,


haben sich die Schneeglöckchen und die Krokusse schon aus dem
kalten Boden herausgewagt
und die Vögel wagen auch schon die ersten zaghaften Zwitschertöne.


Das Leben kehrt in die Natur wieder ein.
Und nichts kann es aufhalten.


Heute Morgen in aller Frühe haben sich wieder viele Menschen in
den Bürgerpark aufgemacht
und gemeinsam mit dem Franzsikanerkloster und der
Luthergemeinde das Osterfeuer entzündet.


Noch vor Sonnenaufgang, genau wie die Frauen damals,
in voller Dunkelheit, in Kälte und Stille,
kamen aus allen Richtungen Menschen auf das Feuer zu, das Licht
und Wärme spendete.


Und wir haben die Osterkerzen entzündet und sind mit ihnen durch
die Straßen von Pankow hier in die Kirche gezogen.


Jedes Jahr hören wir die Geschichten von den traurigen Frauen,
dem leeren Grab und dem Engel mit der Botschaft – er ist nicht hier,
er ist auferstanden.


Und immer wieder auf´s neue ist es uns ein Wunder und ein
Geheimnis zugleich.


Die Botschaft von der Auferstehung von den Toten eröffnet uns einen
Blick über unseren Tod hinaus
und macht uns Hoffnung auf eine Welt, die sich unseren irdischen
Erfahrungen entzieht.


In der wir aber eine Sehnsucht erfüllt sehen, nach Heilung, Ganzheit
und Geborgenheit.


Wir haben soeben die Ostergeschichte aus dem Johannesevangelium
gehört. Und wir wollen versuchen, uns in sie hineinzudenken.


Maria Magdalena geht ganz früh am Morgen vor Sonnenaufgang,
als es noch finster war, zum Grab ihres geliebten Herrn.


Die schrecklichen Bilder der vergangenen Tage in ihrem Herzen
und die unbändige Sehnsucht, den Leichnam noch einmal zu sehen,
um sich von ihm zu verabschieden, führen sie an das Grab Jesus.


Maria ist überwältigt von ihrer Trauer um den Verlust des geliebten
Menschen Jesu.
Ihre Augen sind verschleiert von dem Fluss ihrer Tränen.


Doch sie stellt sich ihrem Schmerz, sie schaut hinein in das Zentrum
des Grauens.
Und sie sieht zwei Engel, einen zu Häupten und einen zu den Füßen
des Leichnams, der aber nicht mehr da ist.


Die Engel als die Zwischenwesen von Himmel und Erde
begleiten Jesus bei seiner Geburt hinein in diese Welt
und bei seinem Tod hinaus aus dieser Welt.


Maria Magdalenas Augen aber sind verschleiert,
ihre einzige Sorge gilt dem Leichnam Jesu. Das darf nicht sein, dass sie diesen geschändet haben,
es muss einen Ort geben, wo er in Frieden liegen darf
und zu dem sie gehen kann in ihrer Trauer.


Ihr Blick geht vom Grab weg zurück in die Welt
und sie sieht Jesus und meint, es sei der Gärtner.


Was sie noch nicht sieht, wir aber schon sehen –


von allen Seiten ist sie umgeben –
vor ihr, in Richtung Tod stehen die Engel –
hinter ihr, in Richtung Leben steht der Auferstandene.


Wieder stellt sie die Frage nach dem Leichnam
und da hört sie ihren Namen.


Er kennt sie mit Namen – damals und heute und über den Tod hinaus.


Das öffnet ihr die Augen,


sie will ihn berühren, festhalten,


doch das darf sie nicht mehr.
Er hat die Todesgrenze überschritten.


Das aber ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen
Beziehung –
einer Beziehung, zwischen die sich keiner mehr stellen kann,
die keiner mehr zerstören kann.


Und er gibt ihr ein Versprechen:
Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater,
zu meinem Gott und zu eurem Gott.


Und das bedeutet: So wie ich ein Kind Gottes bin,
so seid ihr auch Kinder Gottes,
so wie ich aus dem Totenreich geholt wurde,
so werdet auch ihr aus dem Totenreich geholt werden,
so wie ich zum Ursprung des Lebens zurückkehre und lebe,
so werdet auch ihr zum Ursprung des Lebens zurückkehren und
leben.


Und dann bekommt Maria von Jesus den Predigtauftrag:
Geh zu meinen Geschwistern nach Jerusalem und erzähle, was ich dir
gesagt habe.


Maria nimmt diesen Auftrag an, sie geht und verkündigt die frohe
Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi
und wird so zur Apostelin.


Liebe Schwestern und Brüder,
in frühen christlichen Gemeinden wurde Maria Magdalena noch als
eine Apostelin verehrt.


Apostel durfte sich nennen, wer Jesus zu seinen Lebzeiten gekannt
und ihn als Messias geglaubt hat.


Unter ihrem Namen wurde ein Evangelium geschrieben und
Gemeinden haben sich nach ihr genannt.


Mit der fortschreitenden Institutionalisierung der Kirche aber wurden
die Frauen immer mehr in den Hintergrund gedrängt
bis sie gänzlich aus dem Predigtamt beseitigt wurden.


Heute stehen sie – zumindest in den evangelischen Kirchen –
wieder auf den Kanzeln und verkündigen die Auferstehung der Toten,
so wie es Jesus sie gelehrt hat.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Ostergeschehen,
wie und was da auch immer geschehen sein mag,
ist der Beginn einer neuen Bewegung.


Aus ihr ist unsere christliche Kirche entstanden.


Der Auferstandene ist seinen Jüngern und Jüngerinnen lebendig
erschienen,
er hat sie aus ihrer Verzweiflung wieder herausgeholt
und ihnen wieder Mut zum Leben geschenkt.


Die christliche Kirche besteht immer noch,
bis heute ist der lebendige Gott unter uns
und ruft Menschen in seine Nachfolge,
die sich auf den Weg der Liebe und der Gerechtigkeit aufmachen
und so an seinem Reich mitwirken.


Frauen und Männer, Junge und Alte,
aus allen Schichten und allen Nationen dieser Erde,
lassen sich berühren von ihm und folgen ihm nach.


Lassen auch wir uns berühren und uns rufen in seine Nachfolge.
Amen.