Predigt · 1. Sonntag nach Epiphanias · 7. Januar 2018 · Pfarrer Michael Hufen

Posted by on Jan 10, 2018 in Predigten | No Comments
  1. Korinther 1, 26 -31

Liebe Gemeinde,
vielleicht liegt es am Alter – aber je länger ich lebe, je mehr
Jahreswechsel ich erlebe, umso deutlicher wird mir, dass wir für
unser Leben auf Gottes Segen angewiesen sind.
Darauf, dass wir an Sylvester das vergangene Jahr in seine Hände
zurückgeben können. Mit Allem, was uns gelungen und
misslungen, mit allem, was wir erlebt und auch erlitten haben. Wir
können es im Gebet vor Gott bringen, darauf hoffend, dass er uns
gnädig anhört.
Wir dürfen darauf hoffen, dass er uns vergibt, wenn wir ihn darum
bitten.
Mir wird immer klarer, dass wir auch in dem vor uns liegenden
Jahr, das nun schon eine Woche alt ist, darauf angewiesen sind,
dass Gott an unserer Seite ist. Nicht nur, dass wir uns von ihm
ansprechen lassen, sondern dass wir uns als Christinnen und
Christen auch von ihm zur Ordnung rufen lassen.


Der Apostel Paulus ruft in seinem 1. Brief an die Korinther seine
Gemeinde zur Ordnung.
Was das heißt und wie das klingt – dazu gleich nach einem
kleinen Exkurs.


Haben Sie in den letzten Tagen die Debatte über die für manche
Hörer zu politischen oder schlicht misslungen
Weihnachtspredigten verfolgt. Zuerst meldete sich ein Journalist
und verglich die Predigt eines Berliner Pfarrers mit den
Verlautbarungen der SPD oder der Grünen, dann gab es Kritik an
der Predigt des Ratsvorsitzenden der EKD und auch an der Predigt
des katholischen Bischofs Marx und wahrscheinlich auch noch an
vielen anderen Predigten mehr.
Hauptkritikpunkt war die unkenntliche Theologie der Predigten
oder besser der Predigerinnen und Prediger.
Hinter politischen Appellen und formelhaften Begriffen sei die
frohmachende,
ja fröhliche Weihnachtsbotschaft nicht zu erkennen gewesen.
Wieviel Politik verträgt eine Predigt?
Karl Barth – einer der bedeutenderen Theologen des vergangenen
Jahrhunderts wird der Ausspruch zugeschrieben, dass er beim
Predigtschreiben in einer Hand immer die Bibel und in der
anderen immer die Tageszeitung hat. Nun könnte man natürlich
fragen, mit welcher Hand er denn nun geschrieben hat – aber mal ganz ehrlich: ich glaube es gehört immer beides in die Predigt
hinein – man muss sich nur entscheiden, welcher Text Grundlage
der Predigt und welcher dann tagesaktuell zur Sache ruft.
Wenn in einer Kirche, die sich der Versöhnungsbotschaft der
Nagelkreuzgemeinschaft seit über 50 Jahren verbunden weiß,
platte Feindbilder öffentlich kundgetan werden können, die einer
Verschärfung von Konflikten das Wort reden und nicht einmal zum
Erkenntnisgewinn angesichts der Konflikte der heutigen Zeit
hilfreich sind, dann ist für mich klar, dass wir uns in einem Maß
von der Grundlage unserer kirchlichen Verkündigung entfernt
haben, wie es sich Menschen mit „Schwerter zu Pflugscharen“ und
„Vertraut den neuen Wegen“ auf den Lippen vor 30 Jahren nicht
ausmalen konnten.


Mit seiner Gemeinde in Korinth hat der Apostel Paulus reichlich
Gesprächsbedarf. Immer wieder erhält er Nachrichten über
mangelnde Solidarität in der Gemeinde, seltsame theologische
Überlegungen und Probleme in der gottesdienstlichen Praxis.
Wenn feiert man denn nun das heilige Abendmahl und vor allem
wie. Welche Bedeutung hat das Bekenntnis zur leiblichen
Auferstehung.


Auch wenn uns zu den mindestens zwei Briefen, die Paulus nach
Korinth geschrieben hat vor allem das 13. Kapitel des 1. Briefes
einfällt – Glaube, Liebe und Hoffnung – diese drei haben Bestand
in unserem Leben, aber die Liebe ist die größte unter ihnen ; so
bringt Paulus doch schon im Kapitel 3 seine Überzeugung in
einem einzigen Satz zum Ausdruck. „Einen anderen Grund kann
niemand legen, als den, der gelegt ist – Jesus Christus.“
Im 1. Kapitel schreibt er nun : Text: 1. Korinther 1, 26-31 (Gute
Nachricht Bibel)


„26 Schaut doch euch selbst an, Brüder und Schwestern! Wen hat
Gott denn da berufen? Es gibt ja nicht viele unter euch, die nach
menschlichen Maßstäben klug oder einflussreich sind oder aus
einer angesehenen Familie stammen. 27 Gott hat sich vielmehr in
der Welt die Einfältigen und Machtlosen ausgesucht, um die
Klugen und Mächtigen zu demütigen. 28 Er hat sich die
Geringen und Verachteten ausgesucht, die nichts gelten, denn er
wollte die zu nichts machen, die in der Welt etwas ’sind‘. 29
Niemand soll sich vor Gott rühmen können. 30 Euch aber hat Gott
zur Gemeinschaft mit Jesus Christus berufen. Mit ihm hat er uns
alles geschenkt: Er ist unsere Weisheit – die wahre Weisheit, die von Gott kommt. durch ihn könnenwir vor Gott als gerecht bestehen. Durch ihn hat Gott uns zu seinem heiligen Volk
gemacht und von unserer Schuld befreit. 31 Es sollte so kommen,
wie es in den Heiligen Schriften steht: »Wer sich mit etwas
rühmen will, soll sich mit dem rühmen, was der Herr getan hat.«


Vorhin habe ich gesagt, Paulus ruft die Gemeinde zur Ordnung –
nun, er tut es in seinem Verständnis aber nicht von oben herab. Er
sieht sich als Vater der Gemeinde und versucht die Konflikte der
Gemeinde nicht im langwierigen Abwägen von psychologischen
Überlegungen beizulegen, sondern er weist deutlich auf den
Grund des gemeinsamen Lebens als Christinnen und Christen hin.


In Korinth gibt es Fraktionen und Gruppen, die sich jeweils auf
eine Persönlichkeit berufen und die sich gegenseitig das rechte
Christsein absprechen. Sie sehen ihre unterschiedlichen
Begabungen nicht als Bereicherung, sind überheblich und
besserwisserisch.


Nur – für Paulus gibt es keine besseren und schlechten Christen –
sofern Christsein bedeutet, an Jesus den gekreuzigten und
auferstandenen Christus zu glauben.
Durch ihn hat Gott die Welt versöhnt. Durch ihn ruft Gott uns
Menschen und baut seine Gemeinde. Was uns von Gott trennt, ist
durch Christus überwunden. Durch unsere Taufe sind wir Kinder
Gottes – gleichberechtigt und gleichviel wert. Beschenkt mit
Gottes Gnade, die wir uns selbst nie verdienen könnten.


Diese Predigt vom gekreuzigten und auferstanden Christus ist –
und das weiß Paulus ganz genau – für die Welt eine Torheit.


Mit einem Gott der schwach, verlassen am Kreuz leidet, können
viele Menschen nichts anfangen. Als Menschen, die selbstbewußt
über alles urteilen können und wollen, fällt es schwer, sich
tatsächlich auf das Wagnis des Glaubens einzulassen. Glauben als
vielleicht einfältiges Fürwahrhalten, ganz sicher aber als ein sich in
Gottes Hand – geben und sich dort angenommen und geborgen
fühlen.


‚Wer seid ihr Christen in Korinth vor diesem Gott, der euch
berufen hat‘, fragt Paulus? Ihr habt die Botschaft angenommen,
dass Gott durch den Gekreuzigten rettet. Ihr habt das in
einfältigem Vertrauen getan. Gott hat sich die Geringen und
Verachteten ausgesucht, die nichts gelten, denn er wollte die zu nichts machen, die in der Welt etwas ’sind‘. 29 Niemand soll sich
vor Gott rühmen können“. (V. 26b-28)


Gilt das auch für uns hier und heute? Ist uns klar, dass wir Zugang
zu Gott haben im einfältigen Vertrauen auf den gekreuzigten
Jesus und nicht durch unsere Weisheit oder Frömmigkeit?


Oder sind wir nicht eher dabei, wenn es gilt, die christliche
Botschaft im Bezug auf, unter Berücksichtigung von oder wie
unsere ganzen Ausflüchte immer beginnen zu sehen. Im Bezug zu
anderen Religionen, unter Berücksichtigung psychologischer
Erkenntnisse – und übersehen dabei, was uns hier und jetzt in
unserer Gemeinde und vielleicht auch in der Politik zur Sache ruft.


Wir sind superkritisch mit unseren Glaubenssätzen und
Bekenntnissen. Schnell dabei, wenn es heißt, dass man manches
heute so aber nun wirklich nicht mehr sagen oder glauben kann.


Braucht es nun Einfalt zum wirklichen Vertrauen auf Jesus den
Gekreuzigten? Gemeint ist doch beim Verweis auf den
gekreuzigten Jesus, was Paulus Römer 3, 25 schreibt: „Ihn hat Gott
als Sühnezeichen aufgerichtet vor aller Welt. Sein Blut, das am
Kreuz vergossen wurde, hat die Schuld getilgt – und das wird
wirksam für alle, die es im Glauben annehmen.“


Jesus allein ist die Brücke, über die wir zu Gott kommen! Darum
geht es. Das fasst Paulus zusammen, wenn er in Vers 30 schreibt:
„Euch aber hat Gott zur Gemeinschaft mit Jesus Christus berufen.
Mit ihm hat er uns alles geschenkt: Er ist unsere Weisheit – die
wahre Weisheit, die von Gott kommt. Durch ihn können wir vor
Gott als gerecht bestehen. Durch ihn hat Gott uns zu seinem
heiligen Volk gemacht und von unserer Schuld befreit.“


Ich will diesen Vers noch einmal nach anderer Übersetzung
widergeben: „Er hat es aber gefügt, dass ihr in Christus Jesus seid,
der unsere Weisheit wurde, dank Gott, unsere Gerechtigkeit und
Heiligung und Erlösung.“ (Züricher Bibel)


In Christus Jesus beschenkt mit Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung,
Erlösung.

Weisheit – Wissen um Gott; Gerechtigkeit – versöhnt mit Gott;
Heiligung – auf dem Weg zu Gott; Erlösung – befreit für alle Zukunft in Gott.

Bei solchem Reichtum haben christliche
Minderwertigkeitskomplexe keinen Platz, denn an uns und mit uns
wirkt Gott durch Christus. Und wir wirken mit ihm. Auch
Gegeneinander und Spaltungen haben keinen Platz: bei
unterschiedlichen Begabungen und Erkenntnissen haben doch alle
das gleiche Fundament: Jesus Christus. Gott „hat es aber gefügt,
dass ihr in Christus Jesus seid“. Auf diesem Fundament können
Christen einen produktiven Streit führen und können geduldig
Antworten suchen. Wer sind wir vor Gott? Einfältig ihm
Vertrauende und zugleich reich beschenkt mit Weisheit,
Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wir haben reichlich Grund
zu tun, was Paulus empfiehlt: „Wer sich mit etwas rühmen will, soll
sich mit dem rühmen, was der Herr getan hat.“


Das geschieht im Bekenntnis zu Jesus und im Lob Gottes.

Beides lasst uns mutig und fröhlich tun.

Amen