Predigt · Pfingstfest · 8. Juni 2014 · Konfirmation · Pfarrerin Ruth Misselwitz

Posted by on Jun 16, 2014 in Predigten | No Comments

Jeremia 52, 7

Liebe Konfirmanden,


„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die
Frieden ansagen, Gutes verkünden, Rettung ansagen, die zu Zion
sprechen: Deine Gottheit regiert.“


Dieser Spruch aus dem Buch des Propheten Jesaja steht auf euren
Konfirmationsurkunden.
Neben den Sprüchen, die Ihr euch selber ausgesucht habt,
oder die ich euch ausgesucht habe,
soll dieser Spruch euch alle gleichermaßen begleiten.


Ihr sollt Boten der Freude, des Friedens und der Rettung sein, die
Gott seinem Volk und dieser Welt zugesagt hat.


Ja, Gott traut euch zu, mitten in dieser Welt, die von Krieg, von Hass
und Zerstörung gebeutelt ist,
er traut euch zu, mitten in diese Welt diese Botschaft zu verkünden.


Er hat euch dazu auserkoren und ermächtigt,
einen jeden und eine jede.


Er hat euch dazu in der Taufe die Kraft des heiligen Geistes
geschenkt
und er hat versprochen, bei euch zu sein bis ans Ende der Welt
und darüber hinaus.


Und wenn ihr die Verbindung zu Gott aufrecht erhaltet und von ihm
immer wieder diese Kraft erbetet, dann werdet ihr diese
Freudenboten sein.


Das klingt vielleicht jetzt in euren Ohren und in den eurer Eltern,
Großeltern und Paten etwas zu vollmundig.


Ihr wisst selber allzu gut, was ihr für Schwächen und Zweifel,
Ängste und Unsicherheiten habt.


Und eure Eltern und Großeltern haben,
neben der Freude und dem Glück, das sie seit eurer Geburt bis zu
diesem Tage, durch euch erfahren haben,
auch so manche dunkle Stunde und sorgenvolle Nacht durchlebt.


Ihr habt aber nun diesen Schritt bis hierher getan.
Wir werden die Taufen von 7 Konfirmanden feiern
und die übrigen werden ihre Taufe, die sie als Kinder erfahren haben,
bestätigen.


Ihr wollt euch mit dieser Feier auf einen Weg ins Leben machen,
auf dem ihr nicht alleine, sondern umgeben seid von allen guten
göttlichen Kräften und Mächten.


Wir sagen dazu Gott, oder der heilige Geist, oder auch Engel.


Das ist natürlich auch für die Eltern und Großeltern beruhigend zu
wissen,
dass diese eure Kinder nicht nur euren Schutz genießen,
sondern darüber hinaus über sie ein Schutzschirm gespannt ist,
der weit über euren Einfluss hinaus reicht.


Wir dürfen unsere Kinder vertrauensvoll in die Hände Gottes geben,
der sehr viel besser weiß, wie es um sie steht
und was sie brauchen.


Die Spannung zwischen festhalten und loslassen,
zwischen Angst und Vertrauen dürfen wir im Gebet an Gott weiter geben.


„Wie lieblich sind auf den Bergen, die Füße der Freudenboten, die
Frieden ansagen, Gutes verkünden und Rettung ansagen.“


Liebe Konfirmanden, wir dürfen in unserem Lande seit drei
Generationen Frieden erfahren.


Eure Urgroßeltern wissen noch, was Krieg ist.
Und wir sehen tagtäglich im Fernsehen die schrecklichen Bilder vom
Krieg, der überall auf der Welt präsent ist.


Unser Land Deutschland hat zwei verheerende Kriege in der Welt
ausgelöst
und der Frieden, den wir nun erleben dürfen,
ist teuer bezahlt worden.


Setzten wir diesen Frieden nicht leichtsinnig auf´s Spiel.


Wir Deutschen wären „friedensverwöhnt“ hörte ich kürzlich unseren
Bundespräsidenten sagen
und wir sollten wieder mehr Einsatzbereitschaft in der Welt zeigen.


Doch ich befürchte hinter solchen Aussagen vielmehr wirtschaftliche
und geopolitische
als friedenspolitische Interessen.


Wie kann man vom Frieden verwöhnt sein?


Der Friede ist ein Geschenk, eine Gnade,
das wertvollste Gut, das die Menschheit besitzt,
das ebenso geachtet wie bewahrt werden muss,
weil es kostbar und zerbrechlich ist.


Wir hörten vorhin die Geschichte von der Geistausgießung auf die
Jünger und Jüngerinnen vor 2000 Jahren in Jerusalem.


Die Wirkung des Heiligen Geistes ist die Überwindung von
Sprachbarrieren, die Überwindung von nationalen, religiösen und
sozialen Abgrenzungen,


die Wirkung des Heiligen Geistes ist die Fähigkeit zur Versöhnung
zur Gerechtigkeit und zum Frieden.


Die Wirkung der göttlichen Geistkraft ist die Schaffung und Stärkung
aller lebensfördernden Strukturen in der Welt.


Wo lebenszerstörende Strukturen am Werke sind, da ist nicht der
Heilige Geist am Wirken.


Euch Konfirmanden wird nun zugetraut, zu lernen, diese Geister zu
scheiden und danach zu handeln.


Und wir, die Familien
und diese unsere Gemeinde, in die die Jugendlichen nun hinein
gesegnet werden,
haben die Aufgabe, diese Jugendlichen auf diesem Weg zu begleiten
im ständigen wechselseitigen Gespräch, in der tatkräftigen Hilfe,
im beispielgebenden Handeln
und in der Fürbitte.


Dazu verhelfe uns der gnädige Gott.


Und er möge euch, liebe Konfirmanden,
beschützen und beschirmen vor allem Bösen
und kräftigen und helfen zu allem Guten.
Amen