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Kirchengemeinde Alt-Pankow / Predigten und Ansprachen
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Predigten und Ansprachen
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4. April 2012 | Karfreitag
Pastorin Renate Kersten
25. März 2012 | Judika | Rundfunkgottesdienst | download
4. Mose 21, 4-9 | Pfarrerin Misselwitz
26. Februar 2012 | Invokavit
Marcus 14, 3-9 | Pfarrer Wilkens
5. Februar 2012 | Septuagesimae
Pastorin Renate Kersten
24. Dezember 2011 | Heilig Abend
Pastorin Renate Kersten
13. November 2011 | Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Pastorin Renate Kersten
23. Oktober 2011 | 18. Sonntag nach Trinitatis
Markus 10,17-27 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
16. Oktober 2011 | 17. Sonntag nach Trinitatis
Markus 9, 14-27 | Pfarrer Wilkens
Nachbesinnung
9. Oktober 2011 | 16. Sonntag nach Trinitatis
Klagelieder 3,22-26,31-32 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
2. Oktober 2011 | Erntedank
Pastorin Renate Kersten
25. September 2011 | 14. Sonntag nach Trinitatis
Römerbrief 8,38,39 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
3. Juli 2011 | 2. Sonntag nach Trinitatis
Matthäus 22, 1-14 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
24. April 2011 | Ostersonntag
Matthäus 22, 1-10 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
22. April 2011 | Karfreitag
Lukas 23, 33-49 | Pfarrer i.R. Werner Krätschell
17. April 2011 | Palmarum
Mk 14, 3-9 | Pfarrerin Renate Kersten
20. März 2011 | Reminiszere
Matthäus 12, 38-42 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
6. Februar 2011 | 5. Sonntag nach Epiphanias
Jes 40,12-26 | Pfarrerin Renate Kersten
9. Januar 2011 | 1. Sonntag nach Epiphanias
Matthäus 4,12-17 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
2. Januar 2011 | 2. Sonntag nach dem Christfest
Meditation nach Ps 138 | Pfarrer i.R. Lorenz Wilkens
31. Dezember 2010 | Silvester
Ansprache zum Jahreswechsel von Barbara Stolterfoth
14. November 2010 | Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Röm. 8, 18-25 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
8. August 2010 | 10. Sonntag nach Trinitatis
Gen 12, 1-3 | Pfarrerin Renate Kersten
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20. Juni 2010 | 3. Sonntag nach Trinitatis
Matthäus 25, 31-46 | Pfarrerin Ruth Misselwitz
25. April 2010 | Jubilate
1. Joh. 5, 1-4 | Elisabeth Raiser
7. März 2010 | Okuli
Eph 5, 1-8 | Pfarrerin Renate Kersten
3. Januar 2010
1. Ioan 5, 11 - 13 | Pfarrer Wilkens
31. Dezember 2009
Ansprache zum Jahreswechsel von Hans Misselwitz
6. April 2012
Karfreitag
Pastorin Renate Kersten
Liebe Gemeinde,
was ist Wahrheit? Schon, wie etwas tatsächlich geschehen ist, ist
gar nicht einfach herauszufinden, Am besten lässt man es sich von
zwei oder drei Menschen erzählen, um sich ein Bild zu machen.
Doch auch, wenn klar ist, was geschehen ist, beschleicht mich
manchmal das Gefühl: Das kann doch alles nicht wahr sein. Oder:
Das stimmt doch alles nicht. Da ist doch noch etwas anderes
dahinter. Und das, dieses andere, das ist es eigentlich. Manchmal
fühle ich mich dann wie ein kleiner Detektiv. Dahinter vermute ich,
zugegeben, eher Schlechtes als Positives. Nur selten ist es anders.
Merkwürdigerweise - wenn es um das Sterben geht, da kann es
geschehen, dass es anders ist. Ich erlebe dann, dass äußerlich
vieles unschön, vielleicht sogar schrecklich aussieht und spüre
doch: Das ist aber nicht die Wahrheit. In Wahrheit geschieht hier
gerade etwas Wichtiges und Einmaliges. Es mag mir weh tun, das
mitzuerleben und doch fühlt es sich richtig an. Eine andere
Wirklichkeit wird spürbar. Sie ist über uns, neben uns, um uns und
in uns. Sie ist gar nicht weit weg im Gegenteil.
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25. März 2012 | Rundfunkgottesdienst
4. Mose 21, 4-9
Pfarrerin Misselwitz
Der Friede Gottes, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die
Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Liebe Hörerinnen und Hörer am Radio, liebe Schwestern und Brüder, heute am 5. Sonntag in der Passionszeit kommt der Predigttext aus
dem Alten Testament, dem 4. Buch Mose aus dem 21. Kapitel.
Da brachen die Israeliten auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose. Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier und uns ekelt vor dieser mageren Speise. Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.
Was für eine merkwürdige Geschichte.
Haben wir nicht immer wieder aus den Geschichten des alten Israel gehört, wie die Propheten gegen die Verehrung von Götzenbildern zu Felde gezogen sind und die Anbetung des einen und einzigen Gottes eingeklagt haben?
Und nun soll Mose selbst ein Kultsymbol in Form einer ehernen Schlange anfertigen, das dann beim Anschauen Heilungskräfte ausstrahlt.
Schauen wir uns die Geschichte einmal näher an.
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26. Februar 2012
Marcus 14, 3 9
Pfarrer Wilkens
Liebe Gemeinde,
Jesus ist mit seinen Anhängern nach Jerusalem eingezogen, um am Pessach-Fest teilzunehmen, einem der drei großen Wallfahrtsfeste des jüdischen Volkes. Bei seinem Einzug wurde er begrüßt, wie man alle Wallfahrer in der Stadt begrüßte mit Worten aus Ps 118: Herr, hilf! (auf hebräisch: hoschiah na) Herr, laß gelingen! Gesegnet sei, der kommt, im Namen des Herrn. Wir segnen euch vom Hause des Herrn aus. Der Herr ist Gott; er erleuchtet uns. Während des Einzugs Jesu ist bei seinen Anhängern und den ihn und sie begrüßenden Jerusalemern die Hoffnung, durch ihn werde das Königreich Davids wiederhergestellt werden, auf ihren Höhepunkt gekommen. So fügen sie dem Gruß, der den Wallfahrern gilt, den Ruf hinzu: Gesegnet sei das kommende Königreich unseres Vaters David! Hilf in der Höhe! Dann zieht Jesus zum Tempel, und nun muß es geschehen, muß sich entscheiden: Jesus muß zum Messias g e s a l b t werden. Und es geschieht nicht! Die Salbung bleibt aus. Es heißt, Jesus sah sich im Tempel alles an; darnach ging er mit dem Zwölfen nach Bethanien. Das war ein kleiner Ort außerhalb der Mauern, südöstlich von Jerusalem ein Asyl für die Aussätzigen, die Leprakranken, denn sie durften nicht in der Stadt leben, sie waren vor die Mauern verbannt. Dorthin geht Jesus. Statt daß in Jerusalem, im Tempel seine königliche Würde manifestiert und von den Priestern bestätigt wird, geht er an einen Ort der Ausgeschlossenen. Er verschwindet vor den Augen der Öffentlichkeit. Bedeutet dies Verschwinden nicht das Eingeständnis seiner Niederlage?
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5. Februar 2012
Jeremias 9, 22-23f
Pastorin Renate Kersten
So spricht GOTT: Wer weise ist, rühme sich nicht seiner Weisheit, wer stark ist, rühme sich nicht seiner Stärke, wer reich ist, rühme sich nicht seines Reichtums.
Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, klug zu sein und mich zu kennen, dass ich GOTT bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht GOTT.
Liebe Gemeinde,
diese beiden Verse aus dem Jeremiabuch lesen sich wie eine Zusammenfassung des Evangeliums, das Frau Schill gelesen hat. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wir hören es in jedem Jahr. Als ich es wieder las, dachte ich an den Spruch:
Jesus hat das Reich Gottes angesagt. Gekommen ist die Kirche. Es ist sicher der bekannteste Spruch des katholischen Theologen Alfred Loisy, der um die Wende vom 19. zum 20.
Jahrhundert wirkte. Jesus predigte das Reich Gottes gekommen ist: die Kirche. Meist fällt das Zitat in Kombination mit einem Seufzer. Dabei hält es nur fest, dass es sich hier um zwei Größen handelt. Sie hängen miteinander zusammen, haben viel miteinander zu tun haben und zwischen ihnen gibt es immer Spannungen.
Das war schon zur Zeit Jesu nicht anders. Auch wenn es die Kirche als Wort noch nicht gab die Spannung gab es schon. Schon im Jüngerkreis gab es Konkurrenz, Selbstüberschätzung und Stolz und während sich in den Jüngergeschichten die Betroffenen selbst zu wichtig nahmen, wurden sie später von ihrer Umwelt in einer Weise wichtig genommen und zu Heiligen stilisiert, die am Reich Gottes vorbei ging. Die einen wurden als Heilige verehrt, während sich andere nicht trauten, von Gott zu reden. Vielleicht waren sie auch zu bequem oder flohen vor der Verantwortung, selbst Jüngerin und Jünger zu sein. War das gemeint mit: Gekommen ist die Kirche?
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Christvesper 2011
Pastorin Renate Kersten
Liebe Gemeinde,
am Ende und am Anfang ist alles gut. Am Anfang erklang das Wort. Gott sagte Es sei Licht!. Es wurde hell das Leben entstand. Gott sah es an und sagte: Das ist gut!
Auch am Ende wird alles gut sein.
Dazwischen ist das Leben bunt und undurchsichtig. Gut und böse. Krieg, Waffenruhe, Liebe, Hass, Spendenbereitschaft, Gier, Gewalt und sanfte Berührung es ist nicht zu fassen, wozu Menschen fähig sind.
Unter allem, was geschieht, erinnern wir uns. Es ist etwas in uns, das sich an den Anfang erinnert. Und auch an die Zukunft.
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.
Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.
Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass ers stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.
Uralt, diese Erinnerung. Ungefähr 700 v. Chr. festgehalten. Für den Mittelmeerraum war das ein Teil der Eisenzeit. Weltmacht war Assyrien, ihr Zentrum lag im heutigen Irak. Die Ränder des großen Reiches wurden erobert und ausgebeutet.
Soldatenschuhe gingen mit Gedröhn daher, Mäntel wurden durch Blut geschleift.
Dazwischen leuchtete die Erinnerung des Gottesvolkes auf, eine Erinnerung an die Zukunft auf. Nicht Rache, sondern Frieden.
Nicht unsere Aktion, sondern Gottes Wirken. Und ausgerechnet ein Kind.
Wenn ein Kind geboren wird und lebt, ist es tatsächlich so: Ein Anfang, an dem alles gut ist. Oft nur für einen kleinen Moment, manchmal für Tage und Wochen. Jedes Kind ist Erinnerung an Gott, an seine Kraft und daran, was die Erde braucht.
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13. November 2011
Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Pastorin Renate Kersten
Liebe Gemeinde,
nach einer Woche, in der in den Nachrichten die Schuldenkrise dominiere, steht mir der Sinn am Sonntag nach anderen Themen. Spiritualität wäre so ein Thema. Erfahren, dass Gott weiter und größer ist als unser Klein-Klein. Sich auf die andere Welt Gottes besinnen. Doch als Predigerin soll ich mich heute einem Abschnitt aus dem Lukasevangelium widmen, der eher unseren Nachrichten ähnelt. Hören Sie selbst:
Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun?
Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.
Die Geschichte selbst ist wenig spektakulär. Der Verwalter hat Geld veruntreut, soll fristlos gekündigt werden. Weil so etwas sich schnell herumspricht, kann er nicht damit rechnen, neue Anstellung zu finden. Und jetzt? Für körperliche Arbeit hält er sich für ungeeignet, eine Grundsicherung gab es damals nicht, und betteln will er verständlicherweise nicht. Also hält er die, deren Schulden er verwaltet hat, dazu an, die Schuldverschreibungen zu fälschen, um später an ihre Tür zu klopfen und zu sagen: Du schuldest mir noch einen Gefallen.
Eine Hand wäscht die andere. Solche Geschichten ereignen sich täglich. Der Skandal ist: Es steht in der Bibel und wird positive bewertet. Aber und hier wird es schwierig nicht mit einer eindeutigen Anweisung. Es wäre z.B. ein revolutionärer Schluss denkbar gewesen: Nehmt den Reichen ihr Geld und gebt es den Armen. Die Robin-Hood-Variante würde aus diesem Verwalter einen Revolutionär im Kleinen machen und den Eigennutz herunterspielen. Schließlich nahm er von dem Reichen und half den kleinen Schuldnern. Doch Jesus schließt diese Geschichte nicht ab, wie Brecht es vielleicht getan hätte.
Jesus sagt:
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23. Oktober 2011
Markus 10,17-27
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder,
in der vergangenen Woche wurde in den Tagesthemen im Fernsehen über die Proteste in Griechenland berichtet.
Dabei wurde ein junges Ehepaar interviewt, die beide Lehrer waren. Sie erzählten, dass sie vor den Sparprogrammen 1500 € bekamen, nach dem 1. Sparprogramm wurden sie auf 1200 € gekürzt,
nach dem letzten auf 1000 €.
Kleidung für sie oder ihren Mann muss erst mal gestrichen werden, erzählte die Frau, nur für die Kinder könne das nötigste gekauft werden, wenn sie aus den Sachen herausgewachsen sind,
Lebensmittel werden nur die billigsten im Supermarkt gekauft.
Schwere Depressionen hätte sie bekommen und nun würde ihnen wohl nichts anderes mehr übrig bleiben, als aus Griechenland auszuwandern.
Darauf folgte die Nachricht, dass in Griechenland mehre 100 Millionen € Steuergelder von den Reichen im Lande ausstehen würden, weil zu wenig Beamte eingestellt wären, die z.T. auch noch bestechlich sind und ein großer Teil des Vermögens der Wohlhabenden im Ausland geparkt ist, um sie vor dem Zugriff des Staates zu schützen.
Liebe Schwestern und Brüder,
da bekam ich wirklich eine richtige Wut über diese Reichen,
und ich fragte mich, wie man so gewissenlos, so verantwortungslos und so egoistisch leben kann.
Was macht das Geld aus uns Menschen?
Was macht der Reichtum aus uns?
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16. Oktober 2011
Markus 9, 14-27
Pfarrer Wilkens
Liebe Gemeinde,
ein junger Mensch wird von einem sprachlosen Geist beherrscht; der treibt ihn zu epileptischen Anfällen. Der Junge spricht nicht. Sein Geist ist unkommunikativ. Er baut ihm keine Brücke zu den Mitmenschen. Er verweigert sich der Empathie; er ist zu ihr nicht fähig und nimmt sie von anderen nicht an. Er ist unschöpferisch. Der Geist Gottes erhob sich aus der Finsternis des Chaos und fuhr auf sie zu. Dann sprach er sein Schöpfungswort. Er schuf die Dinge und ihre Ordnung.
Er machte sich ein Gegenüber, um sich zu erkennen und zu verwandeln. Daran hindert den Jungen der sprachlose Geist. Er hält ihn in sprachloser Isolation gefangen. In gegenwärtiger Sprache ausgedrückt: Der Junge leidet an Autismus. Das ist eine seelische Krankheit, die die von ihr betroffenen Menschen schon in der frühen Kindheit zu Rückzug und Isolation verurteilt und die Entwicklung ihres Bewußtseins lähmt. In manchen Fällen kommen in der Pubertät eines solchen Kranken Krampfanfälle hinzu, die der Epilepsie ähnlich sind.
Einen solchen Kranken bringt sein Vater zu Jesus, der, vom Berge der Verklärung zurückgekehrt, von der Menge mit großer Erregung begrüßt wird. Ich möchte sagen, der junge Mann wird eingetaucht in die Euphorie, die manische Stimmung der Masse.
Der Vater berichtet Jesus, er habe ihn vorher zu den Jüngern gebracht; die aber hätten ihn nicht zu heilen vermocht und dies, obwohl Jesus sie zuvor zu zweien ausgesandt hatte, und sie auszogen und verkündigten, man solle umkehren. Und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie. (Mc 6, 12) Warum konnten sie diesen dämonisch, d. i. psychisch Kranken nicht heilen?
Davon berichtet der Vater Jesus, der darüber in Zorn gerät.
Du ungläubiges Geschlecht! Wie lange muß ich euch noch ertragen! (v. 19) Sie konnten den Jungen nicht heilen, weil sie keinen Glauben hatten. Sie haben zwar vorher viele Dämonen hinausgeworfen viele psychisch Kranke geheilt. Doch vor d i e s e r Krankheit Autismus und Epilepsie hatte ihr Glaube versagt. Vor diesem Geist, der gänzlichen Zerstörung des kommunikativen Vermögens, versagte ihre Sprache, ihre Fähigkeit zur Kommunikation.
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Nachbesinnung
Die Predigt rief in einigen ihrer Hörer Entsetzen hervor. Eine Dame verließ bei währender Predigt die Kirche. Eine zweite gab mir am Ausgang knapp Hand, sagte: Die Psychologisierung war unangemessen und dilettantisch! und entschwand. Eine dritte wandte sich mit hochrotem Kopf an mich und zeigte sich entsetzt über die Art, wie die Predigt Schuld und Krankheit zusammenbringe. Ihr Entsetzen werde von weiteren HörerInnen geteilt. Ich wies sie darauf hin, daß ich ausdrücklich nicht von moralischer Schuld geredet hätte.
Damit war sie aber nicht zufrieden: Ich verstehs noch nicht! Beim Nachgespräch mit Frau Nowak und Herrn Niemeyer schlug dieser vor, die Predigt ins Internet zu stellen, damit man sie nachlesen könne.
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9. Oktober 2011
Klagelieder 3,22-26,31-32
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder,
die Worte, die wir eben hörten, werden dem Propheten Jeremia
zugeschrieben, als Klageworte über die Zerstörung Jerusalems im Jahre 587 v. Chr., als die Babylonier dem Staat Israel ein Ende gemacht haben und die 50jährige babylonische Gefangenschaft begann.
Liturgisch haben sie bis heute einen festen Platz im jüdischen
Kalender, wenn an die 2. Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Christus gedacht wird, als die Römer Jerusalem zerstört haben und die Juden 2000 Jahre keinen eigenen Staat hatten und über ganz Europa
zerstreut lebten.
Die Klagelieder - ein kleines Buch mit nur 5 Kapiteln - sind ein erschütterndes Zeugnis über das furchtbare Grauen, das mit dem Einbruch der feindlichen Truppen in Jerusalem einherging.
Da wird von hungernden und sterbenden Kindern auf den Straßen Jerusalems erzählt, von vergewaltigten Frauen und verstümmelten Männern, vom Triumph der Eroberer und von der Scham der Besiegten.
Das ganze Elend eines erniedrigten und geschlagenen Volkes wird ohne Beschönigung und rücksichtslos geschildert.
Und diese Schilderung ist so realistisch, dass beim Lesen bekannte Bilder an meinem inneren Auge vorbeiziehen - aus Sarajewo, Afghanistan, dem Kongo, Irak oder Lybien.
Die Bilder des Krieges sind seit Jahrtausenden immer die gleichen.
Die bedauernswertesten Opfer sind die Kinder, die Frauen, die Alten.
Was mich aber erstaunt - ja sogar irritiert, ist die Schlussfolgerung, die der Prophet Jeremia aus diesem Unglück zieht.
Er sieht in der Zerstörung Jerusalems und seines Tempels eine Strafe Gottes gegen Israel.
Weil Israel ungehorsam gegenüber Gott war, die Priester und Propheten die Gerechten im Volke verfolgt und getötet und so den Bund mit Gott gebrochen haben, schlägt Gott mit zorniger Hand sein Volk.
Die Niederlage eines Krieges wird als Strafe Gottes gedeutet was wäre, wenn Israel gesiegt hätte?
Wird ein Sieg anders gedeutet?
Ja, auf der Seite der Sieger steht der Erfolg, steht das Recht
Steht da auch Gott?
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2. Oktober 2011
Erntedank | Pastorin Renate Kersten
Liebe Gemeinde,
was ein wunderbarer Herbst! Man könnte morgens losgehen und sich den ganzen Tag freuen. Wir haben so viel Grund zu Freude und Dankbarkeit! Wir hatten seit beinahe 70 Jahren keinen Krieg im eigenen Land. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern lebt man überall in Deutschland sehr sicher, auch in Berlin. Auch, wenn wir uns über Schulen und Schulpolitik aufregen, so ist doch unbestreitbar, dass viele unserer Kinder engagierte und kreative Lehrerinnen und Lehrer erleben. Nicht selten sagen Großeltern:
So eine Schule hätte ich auch gern erlebt! Über unsern Kindergarten höre ich Ähnliches. Die jungen Leute machen später eigene Erfahrungen im Ausland. Das Internet verbindet.
Und noch nie erreichten so viele Menschen wie heute ein so hohes Alter. Das ist doch wirklich ein Segen. Grund genug, dankbar zu sein jeden Tag.
Wir haben so viel Grund denkbar zu sein, dass Menschen aus ärmeren Ländern mitunter verstört sind, dass wir nicht den ganzen Tag singend durch die Gegend laufen. Ich weiß nicht, ob es immer der Teufel ist, der im Detail steckt. Aber unter der fröhlichen Oberfläche gibt es Fragen und Angst, und ich nehme viel schlechtes Gewissenwahr. Das alles lässt sich auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Es gelingt uns nicht, uns voll und ganz das eigene Wohlergehen zu freuen, solange es so vielen andern auf der Welt ganz elend geht. Die lange Friedenszeit in unserem Land ist uns kaum der Rede wert und wenn Freude aufkommen will, ist sie getrübt, wenn wir auf die bewaffneten Konflikte in der Welt schauen und irgendwo im Hinterkopf doch auch wissen, wie oft da Waffen aus Deutschland zum Einsatz kommen. In den Genuss am eigenen leckeren Essen schleicht sich der Zweifel ein, ob es ok ist, viel zu genießen, wenn andere hungern. Wir können uns beim Streit über Bildung und die richtige Schule richtig ins Zeug legen. Und dann wird man ganz stumm, wenn man wieder von einem Kind erfährt, das aus einer völlig verwahrlosten Wohnung geholt wurde. Vielleicht fünf, vielleicht acht Jahre alt und wir wissen, dass das, was an Förderung an diesem Kind versäumt wurde, ein ganzes Leben lang nicht aufzuholen sein wird. Und während die jungen Leute ihre Auslandserfahrungen machen, sehen wir die Bilder von denen, die gern ihre Erfahrungen bei uns machen würden, aber in Flüchtlingslagern der Mittelmeeranrainer festsitzen. Die guten Gaben sind schilernd. Ist das, was wir haben, wirklich ein Segen?
Verrückte Welt. Können wir nicht einfach einmal nur dankbar und fröhlich sein, wenigstens an Erntedank? Was mag Gott von uns denken, denen die unbefangene Dankbarkeit oft so schwer fällt?
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25. September 2011
Römerbrief 8,38,39
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Tauffamilie,
der Text, den wir gerade hörten, wurde von der Mutter des Täuflings, Susanne Kirchbaum als Taufspruch für den kleinen Salomo ausgesucht, er kommt musikalisch in diesem Gottesdienst auch immer wieder vor, und es war ihr Wunsch, dass er auch der heutigen Predigt zugrunde gelegt wird.
Ich habe diesem Wunsch sehr gerne entsprochen, weil diese Worte auch zu meinen Lieblingsworten gehören.
Paulus schreibt diese in seinem Brief an die Gemeinde in Rom, die er gerne besuchen möchte, die er aber noch gar nicht kennt.
In diesem Brief versucht er alles, was er in den Jahren seines Dienstes als Missionar Jesu Christi über Gott und Jesus begriffen und erlebt hat, hineinzupacken.
Er ist sozusagen das theologische Testament, das er seiner Nachwelt hinterlassen hat.
Der Römerbrief war immer wieder Theologinnen und Theologen eine wichtige und entscheidende Orientierung in ihrem Suchen nach Gott und seinem Handeln in der Welt.
Der Reformator Martin Luther hat aus ihm die befreiende Erkenntnis
gewonnen, dass wir nicht aus guten Werken vor Gott gerecht werden können, sondern allein aus Glauben aus dem Glauben an die Liebe Gottes, die uns in dem Menschen Jesus begegnet ist und die uns vorgelebt hat, das wir alle Töchter und Söhne Gottes sind, denen Gott in grenzenloser Liebe verfallen ist.
Eine Liebe, die sich bedingungslos hingibt, die sich den Menschen ausliefert in Ohnmacht und Gewaltlosigkeit, die sich durch nichts aufhalten lässt.
Nichts sagt Paulus hier kann uns trennen von der Liebe Gottes.
Weder der Tod noch das Leben.
Paulus eröffnet sein Bekenntnis gleich mit dem schmerzlichsten und ärgsten, was uns Menschen treffen kann dem Tod.
Wer schon einmal einen lieben Menschen verloren hat, der weiß, was das bedeutet.
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3. Juli 2011
Matthäus 22,01-14
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder,
Es war eine Traumhochzeit.
Am 29. April 2011 traten Prinz William und Prinzessin Kate in London vor den Traualtar. Die Prinzessin trug ein weißes Brautkleid mit einer Meter langen Schleppe. Sie war wunderschön und überglücklich.
Die Großeltern, Königin Elisabeth und Prinz Philip, und der Vater Prinz Charles hatten eingeladen zur kirchlichen Trauung und zum anschließenden Fest.
Verwandte und Mitglieder der Königsfamilien aus der ganzen Welt kamen. Die Hochzeit war ein glanzvolles Fest, an dem auch die mitfeierten, die nicht ins Schloss eingeladen waren.
Die Menschen in London feierten mit auf den Straßen, und in der ganzen Welt wurde die Hochzeit im Fernsehen übertragen.
Eine königliche Hochzeit, die hat einen ganz besonderen Glanz.
Als Teilnehmende und Zuschauende werden viele angezogen von diesem Glanz, der das Grau unseres Alltags für eine kurze Zeit überstrahlt.
Ja, es gibt sie, diese andere Welt, in der alle schön, reich, glücklich und zufrieden sind.
Es gibt sie, und für einen kurzen Moment sind wir dabei, schauen durchs Schlüsselloch und fühlen uns vor der Tür auch ein bisschen hinter der Tür - im großen Festsaal.
Die königliche Hochzeit auch in der Bibel ist sie ein Bild für die neue glanzvolle heile Welt, in die Gott einlädt.
Hinter den Zerwürfnissen und Sorgen, die wir im Alltag zu tragen haben, in unserer zerrissenen und gewalttätigen Welt gibt es die Einladung, anders zu leben, zu feiern, miteinander zu sein.
Jesus erzählt auch eine Geschichte von einer königlichen Hochzeit. Wir kennen sie wahrscheinlich alle und ich möchte sie heute vorlesen aus der Bibel in gerechter Sprache aus dem Matthäusevangleium
Bibeltext aus der Bibel in gerechter Sprache: (Mt 22, 1-14)
1 Und Jesus fuhr fort und sprach wieder zu ihnen in Gleichnissen: »2 Die gerechte Welt Gottes ist mit der Wirklichkeit in der folgenden Geschichte von einem Menschenkönig zu vergleichen, der ein Hochzeitsmahl für seinen Sohn veranstaltete. 3 Und er schickte seine Sklaven, um die Eingeladenen zum Hochzeitsmahl zu rufen, und sie wollten nicht kommen. 4 Da schickte er noch einmal andere Sklaven und sagte: »Richtet den Eingeladenen aus: Hört her! Ich habe mein Mahl vorbereitet, meine Stiere und die gemästeten Tiere sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt her zum Hochzeitsfest.« 5 Sie aber gingen weg, ohne sich beeindrucken zu lassen, ...
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Ostersonntag 24.04.2011
Matthäus 28,1-10
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder,
jedes Jahr hören wir die Geschichte von der Auferstehung Jesus von den Toten und jedes Jahr feiern wir das als das höchste Fest der christlichen Kirchen.
Ich, die ich aufgewachsen bin in einem christlichen Elternhaus, ging in meinem naiven Kinderglauben davon aus, dass dieser Auferstehungsglaube nur in der christlichen Religion verankert ist.
Als ich allerdings erwachsen wurde und die Welt mehr und mehr kennen lernte, entdeckte ich, dass dieser Auferstehungsglaube keineswegs eine christliche Erfindung ist.
Ausgrabungen von Grabbeigaben und Opfergaben weisen darauf hin, dass es schon von Beginn der Menschheit einen Glauben gibt, der über den Tod hinaus weist.
Die alten Ägypter hatten wohl den am meisten ausgeprägten und kultivierten Todeskult.
Alle religiösen Bauten von den Tempeln angefangen bis hin zu den Pyramiden dienten und zementierten den Glauben an die Überwindung des Todes.
Die Grabkammern wurden fest verschlossen, niemand durfte die Fahrt auf der Barke über den Fluss stören.
Auch im Judentum gibt es diesen Auferstehungsglauben, bezeugt in den Schriften des 1. Testamentes, in denen Jesus sich auskannte und zu Hause war.
Und seit die Europäer andere Kontinente und Kulturen entdeckten, stellten sie fest, dass auch die Inkas in Lateinamerika, die Menschen aus Zentralafrika oder sonst wo - an ein Leben nach dem Tod glaubten.
Was also ist so besonders an den Geschichten über die Auferstehung Jesu vor ca. 2000 Jahren in Israel?
Warum gründete sich aus diesem Glauben heraus eine neue Religion das Christentum, dessen Hauptaussage die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist?
Sicher gibt es darauf wieder mehrere Antworten.
Ich möchte versuchen, einer Antwort nach zugehen.
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22. April 2011
Lukas 23, 33-49
Pfarrer Werner Krätschell
Liebe Gemeinde, die Passions-, die Leidenszeit hat in diesem Jahr die Bedeutung des Leidens auf einen fast vergessenen Bereich gelenkt: auf das Leiden der Schöpfung. Der Beginn der Passionszeit fiel ja zusammen mit den schrecklichen Bildern und Nachrichten aus Japan. Seit jenem 10. März verschlagen uns die Nachrichten die Sprache und die Bilder den Atem. Wehe allen Verharmlosern und Schönrednern, die uns diese Betroffenheit möglichst schnell wegnehmen wollen und damit bewusst oder unwissend ganz bestimmte Interessen unterstützen. Diese Leute rechnen im wahrsten Sinn des Wortes mit der Vergesslichkeit und mit der Unwissenheit der Menschen. Auch bei uns werden die Schöpfungssensiblen schon wieder als hysterisch abgestempelt.
Unter den vielen Bildern aus Japan gab es eine Sequenz, die mich in besonderer Weise nachdenklich gemacht hat. In blauen Arbeiteranzügen verneigen sich eine Reihe von Managern des Atomkonzerns Tepco und bitten immer neu um Entschuldigung. Gewiss, diese Bitten richten sich an die Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima. Gewiss, sie wurzeln in den uralten, rituell geprägten, auch religiösen Formen in Japan.
Aber für mich äußert sich in diesem wiederholten Verneigen als Ausdruck des Schuldhaften bildstark und heimlich viel mehr: die Schuld der Menschen dieser Erde gegenüber der Schöpfung und gegenüber ihrem Schöpfer. Für mich steckt in diesem wiederholten Verbeugen eine Art menschheitliches Eingestehen, was wir aus dieser Erde und mit dieser Erde als ihre Ausbeuter gemacht haben. In diesem Verbeugen äußert sich für mich auch das Eingeständnis, was wir im Hinblick auf künftige Generationen nicht gemacht haben.
Und dann höre ich aus unserem Predigttext, aus dem Kreuzigungsdrama, die Stimme Jesu vom Kreuz: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
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17. April 2011
Mk 14, 3-9 | Palmarum
Pfarrerin Renate Kersten
Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Liebe Gemeinde,
was war da eigentlich los? Viermal ist diese Geschichte in den Evangelien überliefert, mit unterschiedlichen Akzenten. Immer steht da: Eine Frau kommt herein, unvermittelt, und salbt Jesus. Der engste Kreis um Jesus ist sehr ungehalten in drei der Geschichten gibt es das finanzielle Argument. Fast ein Jahresgehalt hat ist da verduftet. In jeder Variante der Geschichte nimmt Jesus die Frau in Schutz und rechtfertigt, was sie getan hat. Hier steht als Deutung: Sie hat es für mein Begräbnis getan, im Voraus.
Mich erinnert die Salbung des Kopfes eher an die Königssalbung im alten Israel. Christus, Messias das heißt ja nichts anderes als der Gesalbte. Die Königssalbung war freilich kein Ritual der Frauen, die waren eher dran, wenn Tote einbalsamiert wurden. Etwas von beidem hat es, von Krönung und Totensalbung. Und von Kindlichkeit und verrückter Liebe. Es muss ein Moment gewesen sein, in dem die Frau spürte: Das muss ich jetzt einfach machen! Ganz ähnlich wie der Einzug in Jerusalem, wo die Machtlosen ihren König für einen Tag ausriefen und für einen Moment geglaubt haben mögen, es könne gut gehen. Das sind Momente, in denen man nicht weiß, wie es ausgehen wird, in denen das auch egal ist. Momente, in denen Hoffnung und Liebe stark sind, in denen der Himmel offen steht. Momente, die verfliegen wie der Duft des Öls.
Mutig war diese namenlose Frau. In meiner Vorstellung kommt der unschöne Einwand der anderen nicht an sie heran. Sie bleibt, weil Jesus sie in Schutz nimmt, wie von den anderen getrennt. Eine Fremde, Unbenannte, mit der Jesus hier ganz einig ist. Und dann gibt es die Gruppe, die immer da ist. Eine kleine Gemeinde. Ein bisschen wie wir. Wir wissen Bescheid, wenn es um Jesus geht, und wie man sich da benimmt.
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20. März 2011
Matthäus 12, 38-42
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder,
wer von uns würde nicht gerne ein Zeichen sehen, ein eindeutiges untrügliches Zeichen der Gegenwart Gottes und seiner Herrlichkeit?
Wir Menschen sind hungrig nach solchen Zeichen und Wundern.
Es ist so schwer an diesen unsichtbaren Gott zu glauben, der sich hinter so viele Geheimnisse versteckt und so schwer zu erkennen ist.
Was geben wir nicht alles für ein Wunder?
Da erscheint die Jungfrau Maria einem jungen Mädchen,
hier tropft Blut aus dem Korpus Christi,
dort heilt die schwarze Madonna schlimme Krankheiten.
Wir pilgern zu Scharen zu solch heiligen Stätten und meinen, so dem Herrgott etwas näher zu sein.
Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen mit diesen durchaus respektsvollen Worten diskutieren die Pharisäer und Schriftgelehrten mit Jesus.
Wir würden ja gerne glauben, was du sagst, denn dumm ist es ja nicht und sicher auch nachdenkenswert, aber uns fehlen die Beweise,
womit kannst du dich autorisieren?
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6. Februar 2011
Jes 40, 12-25
Pfarrerin Renate Kersten
Liebe Gemeinde,
10 €, wenn Sie mir sagen, wo Gott ist! ruft der Schüler durch die Klasse. 100 €, wenn Du mir sagen kannst, wo er nicht ist, antwortet die Religionslehrerin.
Soweit die Aktualisierung eines jüdischen Witzes sie können ihn gerne auch mit Goldstücken start Euro und Rabbi statt Lehrerin erzählen. Zwei Weisen des Denkens und Empfindens prallen aufeinander. Die eine: Gott muss man im Grunde mit der Lupe suchen, und selbst dann wird man sich streiten, ob es wirklich Gott war. Der Weltraum leer. Kein Gott, nirgends. Die andere: Das Universum platzt vor lauter Gott aus den Nähten. Wahrscheinlich ist er wie der magnetische Kern der Erde, der alles zusammenhält.
Ohne Gott liefe hier nämlich gar nichts.
Die Anekdote handelt nicht umsonst von Lehrerin und Schüler oder vom Rabbi und einem, der weise werden will. Auch in der Gotteserkenntnis gibt es Naivität und Reife, Beginn und Wachsen. In der Bibel finden sich Spuren verschiedener Stadien der Gotteserkenntnis. Vieles findet sich in kleinen Geschichten, überlagert von einem späteren weiteren Gottesbild aber Spuren sind noch da. Im ersten Königsbuch beispielsweise der Verdacht, Israels Gott sei ein Berggott (Kap. 20, 23) und habe deswegen im freien Land keine Macht. Aus der Archäologie ist inzwischen bekannt, dass es im Alten Israel auch Götterbilder gab, und auch, dass der Monotheismus nicht ganz am Anfang war. Begonnen hatte es auch in Israel mit der Vorstellung von vielen menschenähnlichen Göttern.
Doch im Lauf der Zeit veränderten sich die Vorstellungen, das Denken und Empfinden. Schließlich machten Menschen ihre Erfahrungen mit Gott, erzählten davon, schrieben auf, was anderen weiter helfen könnte.
Eine der wichtigen Fragen war die, ob jeder Ort und jedes Volk einen Gott habe, quasi einen zuständigen Sachbearbeiter oder ob es noch eine Macht dahinter gebe.
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9. Januar 2011
Matthäus 4,12-17
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder,
nun ist das Weihnachtsfest schon wieder 2 Wochen vorbei. Viele Weihnachtsbäume liegen auf den Strassen und nur hier und da leuchtet ein Weihnachtsschmuck in den Fenstern.
Sehr unterschiedlich werden die Gefühle sein.
Die einen würden am liebsten diese Tage und Wochen der Vorweihnachts- und Weihnachtsfreude unendlich lange ausdehnen, weil es die Familie wieder einmal zusammengeführt hat, Besinnung und Ruhe eingekehrt ist und eine kindliche Stimmung der Freude und der Geborgenheit geschenkt wurde.
Die anderen sind froh darüber, dass es endlich vorbei ist, weil der Weihnachtsabend wieder einsam und traurig war, es wieder einmal Streit in der Familie gab oder die ersehnte Ruhe und Besinnlichkeit ausgeblieben ist.
Was bleibt von diesem Fest, das doch das wichtigste Fest in unserer christlichen Welt ist?
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2. Januar 2011
Meditation nach Ps 138
Pfarrer i.R. Lorenz Wilkens
Danken will ich dir mit all meinem Herzen, /
ich will die Harfe spielen vor Gott.
Liebe Gemeinde,
mit diesen Worten beginnt der Psalm dieses Sonntags; es ist gut, mit ihnen das neue Jahr zu eröffnen - dem Dank an Gott. Das hebräische Wort für &Mac226;danken, jadah, bedeutet ursprünglich &Mac226;<ein Wort> niederlegen. &Mac226;Ich will danken, das heißt mithin: Ich will mich auf mich auf selbst besinnen, ich will in mich hineinsehen. Im Zentrum meines Bewußtseins finde ich einen Gedanken vor, der besagt: Dein Geist zeigt zu Gott hinüber. Er will zu ihm hinübergehen, er wird von ihm angezogen. Ich will mich seiner Kraft nicht widersetzen, will mich nicht unempfindlich gegen ihn stellen. Ich will meinen Geist zu Gott hinübergehen lassen und will ihn ihm zu Füßen legen. Er ist meines Lebens Kraft. Ich will vor dem Herrn ein Wort niederlegen -: Ich will anerkennen, daß ich nicht allein aus mir lebe, sondern aus ihm. Diese Anerkennung ist eine Wohltat. Denn sie durchkreuzt meine Lebensangst, die Angst, die von der Erfahrung, daß meine Kräfte begrenzt sind, hervorgerufen wird. Meine Kräfte s i n d begrenzt; aber ich erinnere mich an die Zeiten, in denen ich ganz erschöpft war und glaubte, nicht weiter gehen und handeln zu können, und auf einmal trat eine Wendung in der Situation oder in meinem Bewußtsein ein; eine neue Aussicht, neue Kraft erschloß sich mir, als wenn sich der Vorhang der Wolken vor dem Himmelslicht geöffnet hätte. Eine neue Wendung der Situation: Ein Mensch suchte mich auf und nahm unbefangen, ungebrochen meine Aufmerksamkeit in Anspruch und es ging, ich konnte ihm entsprechen. Oder eine Wendung in meinem Bewußtsein: Wo sich vorher die Vorstellungen von einzelnen Dingen aufeinander häuften, Dingen, die miteinander nicht verbunden und ohne Transzendenz waren, ohne die Kraft, über sich hinauszuweisen auf einen Sinn, einen Willen, der sie umfaßte, erscheinen sie auf einmal wie geordnet zu einer Landschaft, mit Gleichgewicht und stimmigen Verhältnissen, als hätte der Geist Gottes sie aufgesucht und neu gedeutet und geordnet. Dann atme ich auf, und empfinde meinen Geist neu: Ich empfinde, wie es ihn zu Gott hinüberzieht, ich empfinde Dank.
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31. Dezember 2010
Ansprache zum Jahreswechsel von Barbara Stolterfoth
Das Armutsgebot findet sich an vielen Stellen in der Bibel. So sagt Jesus zu einem ratsuchenden Anhänger in Matthäus 19: Wenn es Dir ums Ganze geht, dann verkaufe Deinen Besitz und gib das Geld den Armen. Und bei der Aussendung der 12 Jünger
sagte er in Markus Kap6 Zieht Sandalen an, aber kein zweites Hemd.
Die Mahnung mindestens zum Masshalten findet sich in allen Religionen und vielen philosphischen Systemen. So war der griechische Philosoph Aristoteles der Ansicht, dass kein Bürger verdiene, mehr als das vierfache seiner Mitmenschen zu besitzen. Helmut Schmidt ist da ein wenig grosszügiger. In einem Artikel in der Zeit noch vor der Finanzkrise meinte er, das vierzigfache des durchschnittlichen Lohns für Manager und Banker sei ja notfalls noch angemessen, das vierhundertfache jedoch widerspreche der Vernunft und der Gerechtigkeit.
Inzwischen sind wir weiter: Der duchschnittliche Facharbeiter würde nicht einige Jahre, sondern mindestens vier Leben brauchen, um das gleiche zu verdienen wie der Bankier
Ackermann in einem Jahr. Oder um ein anderes Beispiel zu nehmen, der Bankier Nonnenmacher kassiert als Abfindung das zehnfache des Jahresgehalts der Bundeskanzlerin.
Wohlgemerkt nicht dafür, dass er ein ganzes Land regiert, sondern als Prämie dafür, dass er aufhört, eine öffentlich- rechtliche Bank zu ruinieren.
Darf man Altkanzler Helmut Schmidt glauben, so ist etwas gründlich aus dem Lot geraten in unserer Republik.
Und nicht nur hierzulande, sondern international. Die Welt scheint in einem unheilvollen Zustand: In weiten Teilen der Welt herrschen Hunger und Bürgerkrieg.
Der Klimawandel schreitet schneller voran als die Vernunft und Kompromissfähigkeit der Staaten. Und auch in den reichen Saaten des Westens steht nicht alles zum Besten:
Die Regierungen scheinen der entfesselten internationalen Spekulation und der Macht der Konzerne nahezu hilflos ausgeliefert. In allen westlichen Ländern wächst die Kluft
zwischen arm und reich, zwischen dazugehörig und ausgegrenzt.. Die Armut wächst, und der Reichtum auch.
Und auch die Spannungen in der Gesellschaft wachsen. Viele Menschen haben Angst.
Und wie das dann so ist: Schuldige werden gesucht und gefunden. Die gierigen Banker, die schmarotzenden Armen, die Ausländer, insonderheit die Muslime, die Politiker, überhaupt die da oben.
Aber bringt uns das weiter? Ich denke nein. Diese Schuldzuweisungen die ja nicht immer von Menschenliebe und Sachkenntnis geprägt sind, treiben die Spaltung der Gesellschaft in wir und die nur weiter voran Und sie lösen kein einziges Problem.
Besser ist es, vom Ende her zu denken: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?
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14. November 2010
Predigt zu Römer 8, 18-25
Pfarrerin Ruth Misselwitz
18 Ich bin überzeugt, dass das Leiden, das wir jetzt! zum
gegenwärtigen Zeitpunkt erfahren, im Schein der göttlichen
Klarheit, die sich an uns offenbaren wird, sein Gewicht verliert.
19 Die gespannte Erwartung der Schöpfung richtet sich darauf,
dass die Töchter und Söhne Gottes offenbar werden. 20 Denn
die Schöpfung ist einem Zustand der Gottesferne unterworfen,
in dem nichts mehr Bestand hat nicht aus freier
Entscheidung, sondern gezwungen von einer sie
unterwerfenden Macht. Sie ist aber ausgerichtet auf Hoffnung,
21 dass auch die Schöpfung selbst aus der Versklavung durch
die Korruption befreit werde, befreit in die in göttlicher Klarheit
aufscheinende Freiheit der Gotteskinder. 22 Wir wissen, dass
die ganze Schöpfung mit uns gemeinsam stöhnt und mit uns
zusammen unter den Schmerzen der Geburtswehen leidet
bis jetzt! 23 Denn nicht nur sie allein stöhnt, sondern auch wir,
die wir schon die Geistkraft als ersten Anteil der Gottesgaben
bekommen haben, wir stöhnen aus tiefstem Innern, weil wir
sehnlich darauf warten, dass unsere versklavten Körper
freigekauft und wir als Gotteskinder angenommen werden.
24 Weil wir hoffen, sind wir gerettet. Aber eine sichtbare
Hoffnung ist keine Hoffnung. Denn welche Hoffnung hat
Bestand im Blick auf das Sichtbare? 25 Wenn wir auf etwas
hoffen, das wir nicht sehen können, so gibt uns unser
Widerstand die Kraft, darauf zu warten.
Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache
Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre
Füß und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum
Himmel ein.
Liebe Schwestern und Brüder,
dieser letzte Vers aus dem Lied
Befiehl du deine Wege von Paul Gerhard 1653 gedichtet,
fiel mir sofort ein, als ich diesen Text las.
Aus ihm klingt so wunderbar und einfältig die Sehnsucht nach
Erlösung - nach Erlösung aus all dem Elend, das auf dieser Welt lastet.
Vor dem Hintergrund des 30jährigen Krieges mit seinen Pest- Cholera- und Hungersnöten, der die Bevölkerung von Europa auf mehr als die Hälfte reduziert hat, sehnt sich der Dichter nach einem Ende dieser Qual.
Und er ist der guten Hoffnung dass sich alles am Ende zum Besten kehrt, und er direkt in den Himmel geführt wird.
Im Frühjahr des gleichen Jahres kann Paul Gerhard aber ebenso
insbrünstig wie freudig singen:
Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an dieses Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.
Beides das Leid und die Freude,
die Sehnsucht nach Erlösung aus diesem Elend wie auch die Freude über die Schönheit der Schöpfung, beides kann Paul Gerhard neben einander stehen lassen.
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8. August 2010
Predigt zu Genesis 12, 1-3
Pfarrerin Renate Kersten
Und Gott sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
Liebe Gemeinde,
Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein. So einfach, so klar ist das Leben. In hellen Momenten weiß ich, dass es so ist. Gott ist da und ich bin da und alles ist gut. Der Weg liegt klar vor mir, zumindest die nächsten Schritte, und es kann losgehen. So ging es Abram. So geht es Menschen, wenn sie als Paar zueinander finden. So geht es vielen Eltern, wenn das Kind gerade geboren ist. Alles ist gut. Der Segen Gottes ist zu greifen. Wie auch immer wir uns die Entstehung der Welt vorstellen: Hier ist zu spüren, dass sie eine Seele hat, und dass es ein großes Wohlwollen gibt, ein Ja zu uns, das größer ist als unsere kleinen Herzen.
Wir wissen, dass das schon einen Tag später ganz anders aussehen kann. Wenn das Kind die Nächte durch schreit, wenn die Augenringe tiefer werden, wenn der helle, klare Moment in die Ferne rückt, kann das alles wie verschwunden scheinen. Ist das, was wir täglich erleben, tatsächlich Segen Gottes? Manchmal fragt man sich: Wo ist er denn nun?
Abram hörte von der unendlichen Größe des Segens. Alle Menschen sollten davon berührt werden. Doch das erste Anzeichen der Verheißung, das eigene Kind, blieb aus, jahrelang. War der helle Moment Selbsttäuschung?
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20. Juni 2010
Predigt zu Matthäus 25, 31-46
Pfarrerin Ruth Misselwitz
Liebe Schwestern und Brüder,
ein harter, ein kompromissloser Text, den Jesus seinen Jüngern und Jüngerinnen zumutet.
Ewiges Leben auf der einen und ewige Strafe auf der anderen Seite.
Wir neigen dazu, solche Texte weichzuspülen,
weil sie uns ängstigen,
weil wir uns mit Sicherheit auf der Seite der ausgesonderten Böcke wieder finden würden,
weil sie so gar nicht in das Bild des liebenden und gnädigen Gottes passen,
weil wir nichts mehr hören wollen von Gericht und vom strafenden Gott,
weil uns das sowie so fremd ist die Vorstellung von einem Ende der Zeiten und einem Weltgericht aller Völker.
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25. April 2010
Predigt zu 1. Johannes 5, 1-4
Elisabeth Raiser
Liebe Freundinnen und Freunde von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, liebe Schwestern und Brüder!
Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
Ein Junge verliebt sich in das Bild eines zauberhaften Mädchens mit einer Eidechse, das in seines Vaters Arbeitszimmer hängt und das er beim Mittagsschlaf jeden Tag betrachtet. Als der größer werdende Junge nach dem Maler und der Herkunft des Bildes fragt, bleiben seine Eltern stumm. Es gibt ein Geheimnis zwischen ihnen, das offenbar mit dem Bild zusammenhängt und ihr Zusammenleben bedrückend und beengend macht. Sie reden kaum miteinander und kaum mit dem Kind.
Der Vater wird zum Trinker, er verliert seine Stelle. Der Junge wird zum Mann und nach dem frühen Tod seines Vaters erbt er das nicht signierte Bild. Er geht seiner Herkunft nach und entdeckt, dass das Mädchen mit der Eidechse von einem berühmten Künstler stammen muss, dessen Kunst unter den Nazis als entartet geächtet wurde und der Deutschland verlassen musste. Das Bild ist wahrscheinlich sehr wertvoll. Allerdings ist dies Bild in alten Katalogen nicht verzeichnet, dafür ein ähnliches Bild des Künstlers mit dem Titel Die Eidechse und das Mädchen in dem die Proportionen genau umgekehrt sind: ein riesige Eidechse neben einem verschwindend kleinen Mädchen. Dies Bild gilt als verschollen.
Von seiner Mutter erfährt der junge Mann schließlich, dass der Maler vor seiner Flucht vor den Nazis dem Vater das Bild zu treuen Händen übergeben hatte oder hatte der Vater es sich einfach angeeignet, die Not des Künstlers ausnutzend? Das bleibt unklar, auch die Mutter weiß es nicht. Der junge Mann liebt das gemalte Mädchen noch immer er kann sich von ihm nicht lösen und so wird das Bild wird für ihn zur Obsession. Er fürchtet panisch, dass er es aus den Händen geben muss, versteckt es unter dem Bett, wenn eine Freundin ihn besuchen kommt, fürchtet er, dass das Bett zusammenkrachen und das Bild zerstört werden könnte, wenn sie sich lieben - und eine Beziehung nach der andern scheitert. Schließlich erträgt er es nicht mehr. Er geht mit dem Bild zum Strand und verbrennt es. Beim Aufschlagen der Flamme zeigt sich unter der Leinwand für einen kurzen Augenblick eine zweite Leinwand mit einer großen Eidechse mit einem kleinen Mädchen: es ist das geächtete Bild des emigrierten Künstlers, das er unter dem harmloseren großen Mädchenbild versteckt hatte. Es leuchtet noch einmal auf, dann verglüht es in den Flammen.
Diese Geschichte von Bernhard Schlink erzählt davon, wie zerstörerisch das Schweigen über die Vergangenheit sein kann. weiter durch Download
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7. März 2010 | Okuli
Epheser 5, 1-8
Pfarrerin Renate Kersten
Liebe Gemeinde,
die Lesungen dieses Sonntags bilden einen starken Kontrast zu dem, was wir am Anfang des Gottesdienstes bekannt haben: Alle haben gesündigt. Alle. Ob religiös oder nicht, getauft oder nicht. Ob zur Nachfolge entschlossen, von Christus hörbar berufen oder nicht. Und so beten und verstehen wir das Sündenbekenntnis von Coventry. Wie anders klingt da das Evangelium, so als gebe es ein endgültiges vorher und nachher! Und wie anders klingt da der Epheserbrief!
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Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt. Von Missbrauch und Fremdgehen, käuflichem Sex und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schickt sich nicht für euch, sondern Dankbarkeit. Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch - das heißt kein Götzendiener - erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes. Niemand täusche euch mit leeren Worten: All das zieht auf die Ungehorsamen den Zorn Gottes herab. Habt darum nichts mit ihnen gemein! Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!
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Ob das möglich ist? Oder ist dieses lichtvolle Leben Illusion?
Viele Christinnen und Christen der ersten Generationen waren davon überzeugt, dass ein Leben in Schuld ein für allemal hinter ihnen läge.
Es gab, so wurde gelehrt, eine einzige Buße im Leben: vor der Taufe.
Dann die Vergebung für die ganze sündige Vergangenheit und dann das neue Leben. Die Erfahrung lehrte bald, dass aber auch
Christinnen und Christen schuldig wurden, und dass es nicht nur die kleinen Lieblosigkeiten des Alltags waren, sondern dass auch Getaufte sich schwer versündigten Mord, Betrug, Missbrauch, Verrat. Das war nicht an der Tagesordnung, aber es war unübersehbar, dass es vorkam. Wie geht das an? Und wie sollen Kirche und Gemeinde damit umgehen? Kann Gott Menschen, die seine Güte einmal erfahren und ihn bekannt haben, und die dann wieder schwer schuldig werden, wiederum vergeben? Ist durch Christus nicht eine ganz neue Zeit, ein neues Leben angebrochen? Heißt es da nicht: Jetzt aber eine gerade Furche ziehen? Bruch mit der Vergangenheit, Bruch mit der Welt, die dem Verderben geweiht ist?
Auch wenn uns die Naivität des Epheserbriefes ziemlich abgeht, so träumt es sich doch nach wie vor schön von der neuen, christlichen Welt jenseits der Sünde.
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3. Januar 2010
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Predigt über 1. Ioan 5, 11 - 13
Pfarrer Wilkens
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Und dies ist das Zeugnis, daß Gott uns ewiges Leben gab; und dies Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer Gottes Sohn nicht hat, hat das Leben nicht. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wißt, daß ihr ewiges Leben habt, da ihr auf den Namen des Gottessohnes vertraut.
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DE VITA AETERNA
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Liebe Gemeinde, was ist ewiges Leben? Wie sollen wir darüber denken, wie können wir es uns vorstellen? Es scheint, wir können es uns überhaupt nicht vorstellen; der Gedanke greift über das Gebiet des Vorstellbaren hinaus. Die Ewigkeit ist das Gegenteil der Zeit. Doch alle unsere Vorstellungen sind an die Zeit gebunden. Alles, was ist, unterliegt der Zeit, hat Anfang und Ende. S e i n bedeutet Sein in der Zeit. Auf der anderen Seite ist nicht zu bestreiten, daß man den Begriff der Zeit im Gedanken verneinen kann. Man kann fragen: Wie wäre die Welt beschaffen, wenn es keine Zeit gäbe? Das kann auch kein leerer Gedanke sein, denn es gibt ein Motiv zu dieser Frage; es kommt aus dem Leben: Zum Leben gehört der Wunsch, daß es 'bleibe', daß die Erfahrung nicht beständig durch den Seitenblick auf seine Endlichkeit relativiert werde.
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31. Dezember 2009, Alte Pfarrkirche Pankow
Rede zum Jahreswechsel
Hans Misselwitz
Wir haben ehrlich gesagt in diesem Jubeljahr 2009 doch schon alles bedacht, die großen Ereignisse des 20. Jahrhundert von 1919 bis 1989. Es musste nur das Jahr mit der 9 sein, als ob das jeweils letzte Jahr eines Jahrzehnts noch immer eine Zugabe bereithält.
Darunter sind zunächst schwierige Daten: 1919 die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und die Weimarer Verfassung, beide erinnern an eine gefährdete Demokratie in Deutschland.
1929 kam es zur großen Weltwirtschaftskrise an die wir aktuell schon unfreiwillig erinnert wurden, und
1939 brach Deutschland den Zweiten Weltkrieg vom Zaun.
Ab 1949 wurde aber gefeiert. Der 60. Jahrestag des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte.
Keiner erinnerte daran, dass dies zugleich das Jahr der von jeweils verantwortlichen Deutschen eingewilligten deutschen Teilung war, die nach der Gründung der DDR am 7. Oktober über 40 Jahre dauerte sollte.
1989 schließlich, das große Jahr der Demokratie für den Osten Deutschlands und Europas, der Beginn des Endes der Teilung Deutschlands und Europas und das erhoffte Ende des Kalten Krieges.
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